Auszug aus dem Trockenbau Journal Nr. 1 - März 2006
VÖTB: Memorandum für mehr Fairness im
Binnenmarkt
Der VÖTB hat vor kurzem ein Memorandum verabschiedet, in dem faire
Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer im Binnenmarkt verlangt werden.
Das Trockenbaujournal bringt den genauen Wortlaut des Memorandums: Der VÖTB bekennt
sich zum EU-Binnenmarkt, ausdrücklich zu den dafür notwendigen Freizügigkeiten und dabei
insbesondere auch zur Dienstleistungsfreiheit. Er fordert allerdings in einem Binnenmarkt faire – somit
gleiche – Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer. Wohl wissend,
dass dies bei den länderspezifisch unterschiedlichen Lebenshaltungskosten
nicht gegeben ist.
Unterschiedliche Rahmenbedingungen sind derzeit durch folgende Sachverhalte gegeben:
- Durch die Vergabe von Gewerbeberechtigungen
für Teilgewerbe
wird einer Scheinselbständigkeit
freie Bahn gegeben, die den
Arbeitskräften nicht nur die Umgehung
von Beschäftigungsbewilligungen
ermöglicht sondern
auch Arbeiten zu Dumpingpreisen
und jedenfalls ohne Abfuhr von SVBeiträgen,
zumeist auch ohne
Steuerleistung auf dem österreichischen
Arbeitsmarkt nach sich
zieht.
- Durch die Bündelung (clustern)
dieser teilweise nicht fachlich qualifizierten
und oft der deutschen
Sprache nicht mächtigen „Ein-
Mann“ Unternehmen erfolgt eine
weitere Wettbewerbsverzerrung, da
gesetzliche Regelungen fehlen und
daher Kontrollen ohne Folgen bleiben.
- Abgesehen von maßgeblichen
Missbräuchen bei Gewerbeberechtigungen
von Bürgern der EU-8
müssen auch Beschäftigungsbewilligungen
genau untersucht werden.
Kombilöhne und andere Lohnsubventionen
müssen grenzüberschreitend
EU-weit abgeschafft
werden. Insbesondere die Bemühungen
des AMS, ehemalige ostdeutsche
Arbeitskräfte zu vermitteln
(vorwiegend an deutsche Baufirmen,
welche damit in Österreich
leichter zu Aufträgen kommen) sind
zu durchleuchten und in Frage zu
stellen.
VÖTB fordert Maßnahmen
Der VÖTB schlägt folgende Maßnahmen
für die Zeit der Übergangsregelung
(maximal bis 2011) aber
auch für die Zeit der vollen Dienstleistungsfreizügigkeit
vor:
-
Abschaffung von Teilgewerbeberechtigungen
in Österreich, so
diese nicht schon erteilt wurden
-
Hochrangige Gespräche mit Vertretern
der betroffenen Länder zum
Zwecke der fairen Vergabe von Gewerbeberechtigungen
im Herkunftsland
-
Plausibilitätsprüfungen der Unternehmereigenschaft
durch die Gewerbebehörden
– etwa ausreichende
Deutschkenntnisse um dispositiv
tätig sein zu können – im Sinne
von Verhandlungsfähigkeit
-
Zwingende Gegenzeichnung
durch AMS und Arbeiterkammer
vor Erteilung von Gewerbeberechtigungen
an Ein-Mann-Unternehmen
aus den EU-8
- Strenge Kontrollen durch die
KIAB, aber auch durch autorisierte
geeignete Freiberufler (etwa Detektive
mit Sondervollmacht). Die
Kosten für letztere muss der Bund
im Sinne der Wahrung des Rechtsstaates
übernehmen (Analogie:
Geschwindigkeitsmessungen durch
autorisierte Personen auf Autobahnen)
-
Strenge Bestrafung von beschäftigendem
Unternehmen und Scheinselbständigem
im Falle der Verurteilung.
Lebenslanges Aufenthaltsverbot
zur Gewerbeausübung
in Österreich.
Abschließend betont der VÖTB in
seinem Memorandum, dass ein
Binnenmarkt nur dann fair sein
kann, wenn jene Bedingungen, denen
die Marktteilnehmer unterliegen,
für alle gleichermaßen gelten.
Quelle: Trockenbau Journal Nr. 1 - März 2006
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