Eintrittskarte für die Baustelle


Quelle: KREUTZER FISCHER & PARTNER Consulting GmbH
A-1070 Wien – Wimbergergasse 14-16
Autor: Roland Zellhofer, email: rz@kfp.at
www.kfp.at
© KREUTZER FISCHER & PARTNER
19.05.2006

"Der Markt für Gipskartonplatten ist in den letzten Jahren trotz einer rückläufigen Wohnbautätigkeit kontinuierlich gewachsen. Die Stimmung bei den verarbeitenden Trockenbauern ist dennoch angespannt. Hintergründe sind unter anderem der immer stärkere Preisverfall bei gleichzeitig gestiegenen Kosten, analysieren KREUTZER FISCHER & PARTNER in einer aktuellen Studie.

Trotz des rückläufigen Wohnbaumarktes ist der Markt für Gipskartonplatten absatzmäßig in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2002 und 2005 wuchs der Absatz um 13% auf annähernd 26 Mio. m². Der hohe Anteil der Trockenbauweise im Nicht-Wohnbau, der Trend zu höherer Vorfertigung und die stärkere Nachfrage im Heimwerker-Segment lassen auch weiterhin mit einer Fortsetzung des Wachstums rechnen. Die Vorteile liegen beim Trockenbau in der rascheren und leichteren Bauweise sowie in den schnelleren Austrocknungszeiten. Gerade diese werden vor dem Hintergrund des ständig steigenden Zeitdrucks bei der Baudurchführung immer wichtiger. Durch die Flexibilität in der Verarbeitung und dem im Vergleich zur Massivbauweise geringeren Gewicht wird vor allem auch in der Sanierung vermehrt auf die Trockenbauweise gesetzt.

Kein Grund zur Freude im verarbeitenden Gewerbe
Mit gemischten Gefühlen betrachten die heimischen Klein- und Mittelbetriebe im verarbeitenden Trockenbaugewerbe die derzeitigen Marktentwicklungen. Trotz positiver Erwartungen bezüglich dem Marktwachstum haben die Unternehmen mit einigen großen Problemen zu kämpfen. „Ein Kampf, den die Trockenbauer ohne Unterstützung kaum gewinnen werden können“, meint Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von KREUTZER FISCHER & PARTNER. Preiserhöhungen etwa im Stahlsektor führten zu einer deutlichen Anhebung der Materialkosten. Auch die Arbeitskosten stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich. Dem gegenüber stehen die geänderten Praktiken bei Auftragsvergaben und die im Zuge der Osterweiterung explodierende Schwarzarbeit. Aufträge im öffentlichen Bereich werden ausschließlich nach dem Billigstbieterverfahren vergeben. Das Preisniveau wird von Firmen untergraben, die sich mit Dumping-Preisen die größten Aufträge sichern. Unterbietungen der restlichen Anbieter von bis zu 20% sind dabei keine Seltenheit. Möglich wird dies durch die Vergabe an Generalunternehmer, welche sich ihrerseits wiederum Subunternehmer bedienen. Deren Arbeitskräfte stammen vermehrt aus den neuen östlichen EU-Staaten und arbeiten schwarz auf heimischen Baustellen zu Konditionen weit unter dem Branchendurchschnitt. Hinzu kommen die Schein-Selbständigen, die offiziell Unternehmer sind, aber häufig keinerlei Produktionsmittel besitzen, um wirklich selbständig arbeiten zu können.
Diese Entwicklungen machen es für die heimischen Trockenbauer sehr schwer, Aufträge zu generieren und verhindern eine Weitergabe der gestiegenen Kosten an die Kunden über Preiserhöhungen. Der Wunsch nach verstärkten Kontrollen und einer Erhöhung der Gewerbeeintrittsbarrieren („Eintrittskarte für die Baustelle“) ist vor diesem Hintergrund verständlich.

Imageverlust für ganze Branche durch einige schwarze Schafe
Die Dumping-Praktiken und der Einsatz schlecht qualifizierter Arbeiter wirkt sich natürlich auf die Verarbeitungsqualität aus, weshalb diese auch immer mehr öffentlich thematisiert wird. Die Kritik ist sicher nur teilweise berechtigt ist, rückt aber die gesamte Trockenbaubranche in ein schiefes Licht.

Ein Trend hin zu verstärktem Qualitätsbewusstsein wird vor allem im öffentlichen Sektor unterbunden durch den Preis als vorrangiges Selektionskriterium. Vorhandene Qualitätsnormen und Vorschriften sind nur insoweit wirksam, als deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Der Ball liegt eindeutig bei den Interessenvertretungen der Branche wie der Wirtschaftskammer oder dem Verband Österreichischer Stukkateur- und Trockenausbauunternehmungen (VÖTB). Ihnen fällt die Aufgabe zu, die Vorgänge in der Branche zu überwachen und die Interessen ihrer Klientel, der Unternehmen, zu wahren. Über die Möglichkeiten dieser Institutionen gehen die Meinungen bei den Unternehmern allerdings auseinander. Der Großteil sieht in den Verbänden zu wenig Macht konzentriert, um Veränderungen durchsetzen und auch den Gesetzgeber in die Pflicht nehmen zu können. Der Rest hofft trotz allem auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch die Intervention der Verbände und Innungen. Über deren Arbeitsweise besteht jedoch Einigkeit: zuviel Bürokratie und Streitigkeiten untereinander verhindern ein Umsetzen der gewünschten Änderungen und verringern das Vertrauen sowohl der Mitglieder als auch der Nicht-Mitglieder. Diesen Vertrauensverlust gilt es in Zukunft durch dementsprechendes Wirken wieder aufzuholen."

Quelle: KREUTZER FISCHER & PARTNER Consulting GmbH
A-1070 Wien – Wimbergergasse 14-16
Autor: Roland Zellhofer, email: rz@kfp.at
www.kfp.at
© KREUTZER FISCHER & PARTNER
19.05.2006