Auszug aus dem Wirtschaftsblatt vom 12.10.2004
www.wirtschaftsblatt.at
"Deutscher Baustoffriese rückt Austro-Händler Quester zu Leibe
Österreichs Trockenbau-Branche steht vor einer Zerreissprobe: Neben
einem Preisverfall von 30 Prozent, der laut Herwig Kainz, Chef des
Gewerbevereins, dem ausführenden Gewerbe zusetzt, geraten nun die
beiden in Österreich führenden Trockenbau-Händler Quester und
Baustoff+Metall unter Druck. Der Grund: Der laut Eigenangaben grösste
deutsche Trockenbauhändler Wego Systembaustoffe GesmbH hat soeben
eine Österreich-Tochter mit drei Standorten gegründet und will laut
Wego-Chef Ole Ahrens "rasch 30 bis 40 Prozent Marktanteil bekommen".
Zur Erreichung dieses Ziels hat Wego von Mitbewerber Quester das
Trockenbau-Team mit insgesamt zwölf Mann abgeworben. Weitere
"Neuzugänge" sind geplant. Ahrens: "Wir hoffen, dass diese Leute
Kunden mitbringen." Quester-Geschäftsführer Stefan Marolt ist
angesichts dieser Vorgehensweise verstimmt: "Ich finde diesen Zugang
zum Geschäft zweifelhaft und überlege rechtliche Schritte. Ich
bezweifle, dass Platz für einen neuen Mitbewerber ist. Der Wettbewerb
wird nur verschärft und über die ohnehin heuer gesunkenen Preise
ausgetragen." Laut Marolt macht Quester etwa zehn Prozent seines
Umsatzes von zuletzt 267 Millionen Euro mit Trockenbau.
Marktmacht zukaufen
Der Chef des grössten Austro-Trockenbauhändler, Baustoff+Metall,
Wolfgang Kristinus: "Es ist nicht zielführend, sich Marktanteile
zuzukaufen. Der österreichische Markt wird oft überschätzt, der
Kuchen wird nicht grösser." Baustoff+Metall setzte im Vorjahr 160
Millionen Euro um und ist in Deutschland "Nummer zwei". Paul
Mischinger, Präsident des Vereins der Österreichischen Trockenbauer,
warnt: "Der Markt ist eng. Der Branchenumsatz hält bei 200 Millionen
Euro. Wachsen kann man nur durch Verdrängung."
Für Zulieferer wie Knauf-Chef Otto Ordelt ist Wego kein Unbekannter,
weil es international "ein grosser Player" sei: "Wenn die
Industrie
will, dass der grosse deutsche Händler sich an die österreichischen
Markt-Usancen hält, ist die Industrie gut beraten, dem neuen
Marktteilnehmer nicht die kalte Schulter zu zeigen." (frü)
Irina Frühmann"
Quelle: Wirtschaftsblatt, 12.10.2004, www.wirtschaftsblatt.at
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