Auszug aus dem Wirtschaftsblatt vom 14.01.2006
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"RHI verkauft Heraklith um 230 Millionen Euro


Börsianer haben darauf gewartet, jetzt ist die Katze aus dem Sack: RHI verkauft seine Dämmstoff-Sparte an die deutsche Knauf- Gruppe - um mehr Geld als erwartet.

Angekündigte Sensationen finden manchmal doch statt: Als RHI-Boss Helmut Draxler im Sommer im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf der Dämmstoff-Sparte Heraklith von "mehr als 200 Millionen Euro" gesprochen hatte, schien Beobachtern der Wunsch Vater des Gedankens. Tatsächlich spült Heraklith nun aber sogar 230 Millionen Euro in die nicht gerade prall gefüllte Kassa der RHI.

So viel legt die Knauf-Gruppe für die Tochter des Feuerfest-Riesen auf schuldenfreier Basis auf den Tisch. Freilich hat Draxler die Braut schön herausgeputzt, in Osteuropa expandiert und zuletzt ordentliche Wachstumsraten eingefahren. 2004 wurden bei 181,5 Millionen Euro Umsatz 10,1 Millionen EBIT erzielt, 2005 waren es allein im ersten Halbjahr bereits 110,5 Millionen Umsatz und 6,0 Millionen EBIT. Entsprechend gross war das Griss: "Ursprünglich gab es rund 30 Interessenten, von denen fünf in die Endphase kamen", sagt RHI-Sprecher Volkmar Weilguni.

Schuldenabbau

Wofür das Geld verwendet wird, ist klar: Die Nettoverbindlichkeiten der RHI reduzieren sich durch den Deal von rund 650 auf unter 430 Millionen Euro - im Wesentlichen also "nur" noch die 400 Millionen Euro zinsenfreies Mezzaninkapital, das 2007 in einen normalen Kredit umgewandelt wird. Zu Beginn der Restrukturierung Anfang 2002 stand RHI noch mit rund einer Milliarde Euro in der Kreide.

In der 2006er-Bilanz entsteht für RHI nun ein Buchgewinn von 60 Millionen Euro. Analysten waren zuletzt von 40 Millionen Euro bzw. einem Verkaufspreis von rund 200 Millionen ausgegangen. "Der erzielte Preis reflektiert die wesentlich besser als erwartete Ertragsentwicklung von Heraklith 2005", heisst es aus der RHI. Und Draxler hatte stets unverblümt zugegeben: "Hätten wir ausreichend Liquidität, würden wir Heraklith nie verkaufen." Die nach einer Gewinnwarnung angeschlagene Aktie reagierte mit einem kurzen Kursausschlag, gab den Grossteil aber wieder ab.

Hans-Jörg Bruckberger"

Quelle: Wirtschaftsblatt, 14.01.2006, www.wirtschaftsblatt.at