Auszug aus dem Wirtschaftsblatt vom 01.06.2005
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"Trockenbau stöhnt über Preisdumping

Österreichs Trockenbauer kommen seit der EU-Erweiterung immer mehr unter die Räder. Die Branche sieht weit und breit keine Anzeichen für eine Erholung.

Österreichs Trockenbau-Branche fühlt sich durch Billigbieter und Scheinfirmen unter Druck gesetzt und warnt vor Qualitätsverlust: Anlässlich eines vom WirtschaftsBlatt veranstalteten Round-Table-Gesprächs über die aktuelle Marktlage am Trockenbau zeigten sich Vertreter aus Gewerbe und Industrie besorgt: "Die Preise sind in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent gesunken- die Rohstoffkosten sind dagegen um zehn bis 20 Prozent gestiegen", warnt Herwig Kainz, Chef des Gewerbevereins. Schuld an dieser "Preisschere" sei das in Österreich sogar von der öffentlichen Hand bevorzugte Billigstbieter-System - darin sind sich alle Branchen-Vertreter einig.

Ostfirmen kommen

Paul Mischinger, Präsident des Vereins der Trockenbauer und selbst Chef des Trockenbau-Unternehmens Rheinhold & Mahla Tüchler GesmbH, sieht hier den "Preisdumpern aus Osteuropa sowie den Scheinfirmen Tür und Tor geöffnet". Durch die Ostöffnung habe es seit Anfang Mai 2004 allein in Wien 2000 Gewerbe-Anmeldungen von Einzelunternehmen für den Innenausbau-Bereich gegeben, kritisiert Kainz und provoziert: "Wer am Arbeitsmarktservice scheitern würde, macht den Trick, dass er als Ein-Mann-Gewerbe nach Österreich kommt".

Qualität leidet

Auch österreichische Firmen können angesichts des Preisdrucks die Qualität nur schwer halten. Das bestätigt Otto Ordelt, Österreich-Chef des Gipskartonerzeugers Knauf: "Die Konsequenz des Preisdrucks ist, dass bei der Ausbildung von Fachkräften gespart wird. Da leidet auch die Industrie mit. Und letztendlich kosten die bei einem Billigbau auftretenden Baumängel mehr als eine scheinbar etwas teurere Qualitätsarbeit".

Ein Ende des Preisverfalls sei jedenfalls nicht in Sicht, meint Mischinger. Kainz ergänzt: "Die Talsohle ist nie erreicht, solange der Markt für alle derart frei zugänglich ist."


Irina Frühmann, Leo Himmelbauer"

Quelle: Wirtschaftsblatt, 01.06.2005, www.wirtschaftsblatt.at