Auszug aus einem Bericht des Gewerbevereins vom 6.12. 2004
Geschrieben von Dr. Herwig Kainz
www.gewerbeverein.at
"Gewerbeverein: In Wien gibt es vermutlich mehr Spachtler als Spechtler!
Plausibilitätswissen scheint unseren Beamten fremd zu sein!
Ein Spachtler betätigt sich im Teilgewerbe des Verschließens von Fugen im
Trockenausbau. Dass ein Spechtler landläufig ein Voyeur ist, ist den Wienern
bekannt. Haben die beiden Gemeinsamkeiten? Wenige, ausser dass alle Buchstaben
der Bezeichnungen ident sind - außer ein einziger Vokal. Sonst? Die Zahl der
Spechtler scheint - folgt man den Polizeiberichten - in Wien konstant zu
bleiben. Jene der Gewerbeberechtigungen für Spachtler stieg seit der
EU-Öffnung in Wien um stolze 1.100. Das ist bemerkenswert!
Alle Spachtler haben ihre Gewerbeberechtigungen im Zuge der
Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU von den Gewerbebehörden erhalten. Dass
sich dort niemand die Frage stellt, was 1.100 Ein-Mann-Spachtler in Wien so
treiben, wenn es gerade einmal 200 Trockenausbaubetriebe gibt, die
Gipskartonwände errichten, deren Verspachteln oftmals notwendig ist, kann man
kaum nach vollziehen.
Plausibilitätsansätze scheinen in der heimischen Verwaltung Fremddenken zu
sein. Da wird akzeptiert, dass in der Südsteiermark acht Mal so viele
Blinddärme entfernt werden, wie - relativ gesehen - in Restösterreich. Und
irgendwann kommt dann einer sehr viel später drauf.
Ähnlich ist es mit der freimütigen Gewerbeerteilung durch die Behörden.
1.100 Spachtler bei 200 Betrieben, die diese Leistungen nachfragen - da muss es
doch selbst in einem Beamtenhirn klingeln.
Bemerkenswert ist, dass seit der EU-Öffnung im Bereich Trockenausbau zu
diesen 1.100 Ein-Mann-Spachtlerbetrieben noch weitere 1.200 - zumeist
Teilgewerbeberechtigungen - erteilt wurden. Nahezu alle an Ausländer, die damit
dem AMS aus dem Weg gehen, weil sie wissen, dass sie dort keine
Beschäftigungsbewilligung erhalten.
Dass die Aktion von Österreichern gesteuert wird, erkennt man daran, da
stets gleiche Telefonnummern und Adressen auf den Antragsformularen aufscheinen.
Niederösterreich bringt es verglichen zu den 2.300 Teilgewerbe-Trockenausbauern
Wiens gerade einmal auf 40 Gewerbeanmeldungen seit 1.1.2004.
Bevor uns die Armada der Spachtler ganz Wien zuspachtelt, richtet der
Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) an die zuständigen Behörden die Bitte,
doch beim Arbeiten auch nachzudenken und nicht nur den Stempel zu schwingen.
Es ist ja wohl keine Frage, dass die Qualität der Neo-EU-Spachtler derart
ist, dass die zu verfugenden Platten so emmentalerig bleiben, dass sie jedem
Spechtler nur ganz besondere Freude in Verfolgung seiner ungewerblichen
Profession bereiten können. Hier schließt sich wieder der Kreis zwischen
Spachtler und Spechtler!"
Quelle: Auszug aus einem Bericht des Gewerbevereins vom 6.12.2004
Geschrieben von Dr. Herwig Kainz
www.gewerbeverein.at
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