Gewerbeverein: Jetzt zerreisst es den
Trockenausbau!
Von oben drücken E-Procurement und von unten enorme Preissteigerungen!
Selten ist ein Gewerbe dermaßen in die Schere
gekommen, wie nun der Trockenausbau. In den vergangenen drei Jahren gab es einen
statistisch nachgewiesenen Preisverfall von über dreißig Prozent. Und nun drücken
von unten die Einkaufspreise - insbesondere der des Stahls, der ein wesentlicher
Bestandteil von Gipskartonsystemen ist - auf die, wenn überhaupt magere
Gewinnspanne - berichten der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) und der
Verband Österreichischer Stuckateure und Trockenausbauer (VÖTB).
Am deutlichsten ist der Preisdruck derzeit beim Stahl zu spüren. Betrug der
Grundpreis je Tonne im Jänner 2003 noch 180 EUR, kletterte er binnen
Jahresfrist um 24 Prozent auf 223 EUR. Anfang April 2004 lag er bereits bei 373
EUR und somit 117 Prozent über dem Referenzwert Anfang 2003. Dass die
Bauproduktehersteller das an die Kunden weitergeben, ist klar. Ein Fixpreise
anbietender Trockenausbauer bleibt auf dieser enormen Einkaufspreissteigerung
“sitzen³. Dass Öl, Lkw-Maut und zahlreiche andere Preise, neben Lohn- und
Lohnnebenkosten in jüngster Zeit explodierten, ist jedem Konsumenten bekannt.
So gibt es etwa Kleinunternehmen, die durch die exorbitante Anhebung des Malus
bei Kündigung älterer Arbeitnehmer am 1.1.2004 mit einem Schlag 12.000 EUR
ablegen müssen; für eine einzige Kündigung wohlgemerkt! Und das für einen
existenziellen Befreiungsschlag, der den Rest der Arbeitsplätze sichern soll.
E-Procurement ist dann auf der anderen Seite eine Erfindung der EU-Bürokratie -
jedenfalls bei öffentlicher Auftragsvergabe -, um elektronikgestützt die
Preise bis zum Tiefstpunkt hinunter zu treiben. Das Verfahren ist demnächst
Teil des österreichischen Rechts.
In diesem Umfeld kommt noch das Hereinfluten von legalen billigen
EU-Einmannbetrieben aus den Beitrittsländern hinzu. Der Würgegriff ist
perfekt!
Von den Gewerbebetrieben verlangt man die Schaffung von Arbeitsplätzen, die
Ausbildung teurer Lehrlinge und - was für VÖTB-Betriebe selbstverständlich
ist - die ausschließliche Beschäftigung von legal angemeldeten Mitarbeitern.
Ein Faktum, an das sich so mancher Mitbewerber nicht hält.
Um aus dieser Preis-/Kostenschere heraus zu kommen, fordern VÖTB und ÖGV
zumindest faire Anpassungen, wenn die Gestehungspreise sich bewegen. Es kann
nicht sein, dass der Staat, die Industrie und vor allem der öffentlich-rechtliche
Sektor jede Preiserhöhung weitergibt, während das Gewerbe geknebelt wird.
Ein Preisgarantie, wie jene der Wiener Linien (nämlich bis mindestens Ende 2005
keine Tarifsteigerungen vorzunehmen) kann der Trockenausbau wirklich nicht
abgeben. Oder nur dann, wenn wie bei den Wiener Linien die Ausfallshaftung die
öffentliche Hand trägt!
Mit freundlichen Grüßen
Herwig Kainz
VERBAND ÖSTERREICHISCHER STUCKATEUR-
UND TROCKENAUSBAUUNTERNEHMUNGEN
Eschenbachgasse 11
A-1010 Wien
Tel. ++43 1 587 36 33 22
Fax ++43 1 587 01 92
www.trockenausbauer.at
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