Auszug aus dem Wirtschaftsblatt vom 16.03.2006
www.wirtschaftsblatt.at
"Stuckateure und Trockenausbauer fordern fairen Wettbewerb!
Memorandum 'in Sachen Binnenmarkt'
von Dr. Herwig Kainz
Der mit dem Österreichischen Gewerbeverein (ÖGV) kooperierende Verband Österreichischer
Stuckateure und Trockenausbauunternehmungen (VÖTB) bekennt sich zum EU-Binnenmarkt,
ausdrücklich zu den dafür notwendigen Freizügigkeiten und dabei insbesondere
auch zur Dienstleistungsfreiheit!
Er fordert allerdings in einem Binnenmarkt faire - somit gleiche - Rahmenbedingungen
für alle Marktteilnehmer. Wohl wissend, dass dies bei den länderspezifisch
unterschiedlichen Lebenshaltungskosten nicht gegeben ist. Unterschiedliche
Rahmenbedingungen sind derzeit durch folgende Sachverhalte gegeben:
1) Durch die Vergabe von Gewerbeberechtigungen für Teilgewerbe wird einer
Scheinselbständigkeit freie Bahn gegeben, die den Arbeitskräften nicht nur
die Umgehung von Beschäftigungsbewilligungen ermöglicht sondern auch Arbeiten
zu Dumpingpreisen und jedenfalls ohne Abfuhr von SV-Beiträgen, zumeist auch ohne
Steuerleistung auf dem österreichischen Arbeitsmarkt nach sich zieht.
2) Durch die Bündelung (Clustern) dieser teilweise nicht fachlich qualifizierten
und oft der deutschen Sprache nicht mächtigen "Ein-Mann" Unternehmen erfolgt eine
weitere Wettbewerbsverzerrung, da gesetzliche Regelungen fehlen und daher Kontrollen
ohne Folgen bleiben.
3) Abgesehen von maßgeblichen Missbräuchen bei Gewerbeberechtigungen von Bürgern
der EU-8 müssen auch Beschäftigungsbewilligungen genau untersucht werden. Kombilöhne
und andere Lohnsubventionen müssen grenzüberschreitend EU-weit abgeschafft werden.
Insbesondere die Bemühungen des AMS ehemalige ostdeutsche Arbeitskräfte zu vermitteln
(vorwiegend an deutsche Baufirmen, welche damit in Österreich leichter zu Aufträgen
kommen) sind zu durchleuchten und in Frage zu stellen.
Der VÖTB schlägt folgende Maßnahmen für die Zeit der Übergangsregelung
(maximal bis 2011) aber auch für die Zeit der vollen Dienstleistungsfreizügigkeit
danach vor:
+ Abschaffung von Teilgewerbeberechtigungen in Österreich, so diese nicht schon
erteilt wurden.
+ Gespräche mit hochrangigen Vertretern der betroffenen Ländern zum Zweck der
fairen Vergabe von Gewerbeberechtigungen im Herkunftsland.
+ Plausibilitätsprüfungen der Unternehmereigenschaft durch die Gewerbebehörden -
etwa ausreichende Deutschkenntnisse, um dispositiv tätig sein zu können - im Sinne
von Verhandlungsfähigkeit.
+ Zwingende Gegenzeichnung durch AMS und Arbeiterkammer vor Erteilung von
Gewerbeberechtigungen an Ein-Mann-Unternehmer aus den EU-8.
+ Strenge Kontrollen durch die KIAB, aber auch durch autorisierte geeignete
Freiberufler (etwa Detektive mit Sondervollmacht).
Die Kosten für letztere muss der Bund im Sinne der Wahrung des Rechtsstaates
übernehmen. (Analogie: Geschwindigkeitsmessungen durch autorisierte Personen
auf Autobahnen). Strenge Bestrafung von beschäftigendem Unternehmen und
Scheinselbstständigem im Falle der Verurteilung. Lebenslanges Aufenthaltsverbot
zur Gewerbeausübung in Österreich.
Ein Binnenmarkt kann nur dann fair sein, wenn jene Bedingungen, denen die
Marktteilnehmer unterliegen, für alle gleichermaßen gelten!"
Quelle: Wirtschaftsblatt, 16.03.2006, www.wirtschaftsblatt.at
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